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Presseinformationen zum Thema Gicht

 

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08. April 2010

Akuter Gichtanfall - Colchicin oder NSAR - Natur oder Chemie?

 

Im Rahmen der medikamentösen Therapie von Erkrankungen ist die Natur nicht immer der Chemie und umgekehrt die Chemie nicht immer der Natur überlegen. Oft zeigt sich diese Wahrheit erst nach Jahrzehnten Erfahrung.

 

Als aktuelles Beispiel gilt in der Medizin die vor Jahrzehnten eingeführte Behandlung eines akuten Gichtanfalls mit nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR), die bei gleich guter Wirkung weniger  Nebenwirkungen haben sollten, als die bis dahin dominierende, natürliche  Substanz Colchicin, die aus dem Gift der Herbstzeitlosen gewonnen wird. Doch weit gefehlt.....

 

Viele Jahrzehnte stand Colchicin als einziges wirksames Präparat zur Behandlung des akuten Gichtanfalles zur Verfügung. Und wie so oft, wurde diese von der Natur gegebene Arznei im Laufe der Zeit durch chemisch entwickelte Arznei-mittel - in diesem Fall durch sogenannte NSAR - ergänzt.

 

Klinische Studien zeigten: Bei weniger Nebenwirkungen war die schmerstillende und entzündungshemmende Wirkung der NSAR ebenbürtig mit der von Colchicin. Mit dem Einsatz dieser neuen Präparate sollten der Einfluss von Colchicin auf die DNA und die Nebenwirkungen Erbrechen und Übelkeit der Vergangenheit angehören.

 

Doch heute, nach jahrzehntelanger Erfahrung zeigt sich, die Euphorie war im wahrsten Sinn des Wortes verfrüht.  Die nur kurzfristig angelegten Studien konnten die Realität nicht zeigen. Zunächst als berichtete Einzelfälle, dann als gesammelte Erfahrung und jetzt in Form von umfangreichen Studie steht fest:

 

Eine neue australische Studie mit etwa 1,6 Mio. Patienten) zeigt, dass das bei einem  akuten Gichtanfall symptomatisch wirksame Diclofenac das kardiale Risiko (auch tödlich verlaufende Herzerkrankungen) in der gleichen Größenordnung erhöht wie Rofecoxib (Vioxx), das wegen seiner Kardiotoxizität weltweit vom Markt genommen werden musste.

 

Unter den NSAR ist das nicht nur im Rahmen von Gicht häufig eingesetzte Diclofenac dasjenige Präparat mit dem höchsten kardiovaskulärem Risiko. NSAR können lebensbedrohlichen Nebenwirkungen im Magen-Darmbereich verursachen. Allein in Deutschland sind mehr als 3,5 Mio. der ca. 11 Mio. NSAR-Patienten betroffen, pro Jahr verlaufen über 2.000 Fälle tödlich.

 

Demgegenüber steht Colchicin, das als Zellgift in der Lage ist, Schäden an der DNA, dem Schlüssel zur Bildung des Körpers und all seiner Organe zu verursachen. Jeder Arzt weiß dies und wird Colchicin deshalb nicht im Zeitraum von drei Monaten vor und schon gar nicht im Verlauf eine Schwangerschaft einsetzen. Außerhalb dieser absoluten Kontraindikation erscheinen die Nebenwirkungen von Colchicin aus heutiger Sicht als sehr moderat.

 

 

16. März 2010

Medikamente sind kein Ersatz für purinarme Ernährung

 

So gut wie jeder Patient mit chronischer Gicht kennt Allopurinol, die wichtigste Substanz zur Senkung erhöhter Harnsäurewerte.

 

Und jeder dieser Patienten hat von seinem behandelnden Arzt gehört, dass Allopurinol nicht das Einhalten einer angepassten, purinarmen Ernährung ersetzt. Der Grund ist genau so einfach wie überzeugend:

 

Es gibt kein einziges Medikament, das neben der gewünschten nicht auch unerwünschte Wirkungen hat. Diese sogenannten Nebenwirkungen können bei einigen Medikamenten nach jahrzehntelanger Einnahme auch zum Tod führen. Der behandelnde Arzt wägt beim Einsatz deshalb immer das Nutzen-Risiko-Verhältnis ab. Dies bedeutet im Extremfall, dass ein Medikament, das nach 30 Jahren zum Tod führen kann, eingesetzt wird um eine Krankheit zu heilen oder lindern, die nach 15 Jahren zum gleichen Ende kommt.

 

Natürlich haben nicht alle - auch nicht viele und auch nicht Allopurinol - Arzneimittel derart extreme Nebenwirkungen. Doch wenn es sich um Medikamente handelt, die das ganze Leben eingenommen werden müssen, ist besondere Vorsicht geboten. Patienten, welche die Chance haben ihre Harnsäurewerte durch entsprechende Ernährung im erlaubten Level zu halten, können auf diese Chance nicht verzichten, ohne neue Risiken einzugehen.

 

 

14. Januar 2010

Körperliche Aktivität senkt erhöhte Harnsäurespiegel

 

Erhöhte Harnsäurewerte sind nicht automatisch die Grundlage für die Entwicklung von Gicht.

 

Mehr als 20 % aller Männer über 50 Jahre haben höhere Harnsäurewerte als die empfohlenen 6,5 ml/dl Blut. Doch nur wenige entwickeln Gicht. Einerseits liegt dies daran, dass die Reaktion des Körpers bei jedem Menschen anders verläuft. Andererseits daran, dass nicht nur die Ernährung, sondern viele weitere Faktoren den Umgang des Körpers mit erhöhten Harnsäurewerten beeinflussen.

 

Eine große Rolle spielt dabei die Art und Menge der körperlicher Aktivität. Jeder Mensch kann seinem Körper durch sportliche Aktivität die Chance geben, für  außerordentliche Situationen - wie z. B. erhöhte Harnsäurewerte - eine bessere Antwort bereit zu halten.

 

Gicht ist in vielen Fällen mit Übergewicht, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), erhöhten Blutfettwerten und Bluthochdruck verbunden. Von all diesen Erkrankungen sind Sportler weitaus seltener betroffen. Besonders ausgeprägt gilt dies bei Gicht. Nur 4 % der untergewichtigen Sportler erleiden Gichtanfälle.

 

Neben der Umstellung der Ernährung gilt deshalb für alle Gichtpatienten auch, dass den individuellen Umständen angepasste sportliche Aktivität dazu beiträgt, die Gefahr des Fortschreitens der Erkrankung zu verhindern.

 

Dem Begriff “angepasst” kommt dabei besondere Bedeutung zu. Nicht jede Sportart ist für jeden Gichtpatienten geeignet. Das Stadium der Krankheit, das Alter, die Fitness und weitere Faktoren entscheiden über den Grad der Belastung, dem der Körper, seine Organe und insbesondere bereits beschädigte Gelenke ausgesetzt werden können.

 

Über die Art und Dauer spezifischer Aktivitäten sollte deshalb immer der behandelnde Arzt entscheiden. Einige Krankenkassen unterstützen ihre Mitglieder durch Übernahme der Kursgebühren für Bewegungstherapie oder bieten eigene Kurse an. Auskünfte hierzu gibt es beim behandelnden Arzt oder der Krankenkasse.

 

 

12. November 2009

Chronische Gicht vermeiden - der erste Gichtanfall ist auch eine einmalige Chance 

 

Der erste Gichtanfall kommt meist überraschend und wird von den Betroffenen selten als solcher erkannt. Hat ein Arzt die Diagnose eindeutig gesichert, ist dies bei all dem bestehenden Schmerz kein Grund zum Verzweifeln - ganz im Gegenteil. Auch jahrelange Fehler bei der Ernährung können nun korrigiert und die Weichen für eine beschwerdefreie Zukunft gestellt werden.

 

Das Wissen um die Ursachen eines akuten Gichtanfalles ist für die meisten betroffenen Patienten verständlicherweise zunächst zweitranging. Die gilt umso mehr für den ersten  Gichtanfall. Die ausgeprägten Schmerzen bestimmen den gesamten Tagesablauf. Die Gedanken drehen sich in ersten Linie um alles, was rasche Schmerzbefreiung verspricht.

 

Doch Vorsicht: Jeder Versuch die heftigen Schmerzen selbst in den Griff zu bekommen bzw. der Versuch sich mit den Schmerzen zumindest vorübergehend zu arrangieren kann Schäden anrichten, die nicht mehr korrigierbar sind.

 

Unerklärbare Schmerzen sind immer ein Signal für einen erforderlichen Arztbesuch. Doch speziell für den akuten Gichtanfall gilt, dass der rasche Arztbesuch nicht nur schnell von den Schmerzen befreien kann. Ist die Diagnose Gicht gestellt, gilt es die Weichen für die Zukunft neu zu stellen.

 

Nicht immer, aber oft sind es lieb gewordene aber falsche Essgewohnheiten, die den Gichtanfall ausgelöst haben. Die Harnsäurespiegel steigen, die Harnsäure kristallisiert, die Kristalle lagern sich in den insbesondere in den Gelenken ab und werden vom Immunsystem attackiert. In der Regel verschreibt der Arzt in diesem Fall Colchicin und verfolgt damit zwei Ziele. Erstens den akuten Anfall zu unterbrechen und so die Schmerzen rasch zum Abklingen zu bringen. Zweitens die Basis dafür zu setzen, dass die Harnsäurewerte auf einem normalen Niveau justiert werden können. Normalisierte Harnsäurewerte sichern eine positive Langzeitprognose. Doch leider stehen Patienten dieser guten Prognose oft selbst im Weg.

 

Wer nicht langfristig selbst dafür sorgt, dass die entgleisten Harnsäurewerte durch angepasste Ernährung und ggf. gezielte Medikation in normale Bahnen gelenkt und dort gehalten werden, bezahlt mit immer häufiger auftretenden  Gichtanfällen und langfristig mit körperlichen Behinderungen. Jeder Gichtanfall erinnert an eine Chance zur Umkehr. Doch nur der erste Anfall tut dies auf einem absolut reversiblen Niveau.

 

 

12. November 2009

Purinstoffwechsel - Bei Gicht entscheidet die Eigeninitiative über die Zukunft

 

Fast 10 Millionen Deutsche leiden unter Gicht. Der Begriff “leiden” trifft aber nur für einen Teil der Betroffenen zu. Die meisten wissen entweder nicht, dass sie erhöhte Harnsäurewerte in ihrem Blut tragen die ohne spürbare Symptome ihrer bislang beschwerdefreien Zukunft rasch ein Ende setzen können. Andere haben ihre Erkrankung - das meint konkret ihren Purinstoffwechsel - so gut im Griff, dass sie völlig beschwerdefrei mit ihr leben.

 

Harnsäure entsteht im Körper beim Abbau von Purinen, die entweder aus der Nahrung oder aus dem natürlichen Abbau von körpereigenen Zellen stammen.

 

Als ausscheidungspflichtiges Stoffwechselprodukt wird Harnsäure zu 80 % über die Nierenkanälchen an den Harn abgegeben und ausgeschieden. 20 % der Ausscheidung erfolgt über den Darm. Da eine Ausscheidung nur bei einem Harnsäuregleichgewicht in Harn und Blut möglich ist, wird ein großer Teil der Harnsäure im  Körper zurückgehalten - d. h. an das Blut wieder zurückgegeben. Bei Gichtpatienten ist dieser Ausscheidungsvorgang gestört, der Harnsäurespiegel im Blut ist höher als bei Gesunden. Dies bedeutet, dass Gichtpatienten bei gleichem Harnsäureaufkommen weniger Harnsäure ausscheiden.

 

Mit dem heute zur Verfügung stehenden Wissen und Möglichkeiten der Therapie sollten gravierende Komplikationen der Gicht eigentlich der Vergangenheit angehören. Doch weit gefehlt - viele Patienten haben entweder nicht den Willen oder die Kraft, die vom behandelnden Arzt empfohlene Therapie konkret umzusetzen.

 

Sie brauchen ähnlich wie Raucher oder Patienten die zu viel Alkohol konsumieren Hilfe von ihrer Umwelt, ihren Angehörigen und Freunden.

 

Eine Grillparty oder ein üppiges Festmahl mit Freunden ist für Patienten mit hohen Harnsäurewerten dann alles andere als ein Freundschaftsdienst, wenn auf ihre spezifischen Bedürfnisse keine Rücksicht genommen wird. 

 

Zuviel Purine pro Tag bringen das Harnsäuregleichgewicht aus dem Lot und erhöhen das Risiko für einen akuten Gichtanfall genauso, wie Alkohol der die Ausscheidung von Harnsäure hemmt. Und es gibt keine Ausrede, denn dies gilt auch, wenn z. B. Diabetes mellitus oder die Einnahme bestimmter Medikamente die Ursache für die Störung der Harnsäureausscheidung ist.

 

Eine Zukunft ohne Gicht verspricht ein Harnsäurespiegel im Blut, dessen Obergrenze 6,5 mg/100 ml nie übersteigt.

 

Liegen die Konzentrationen höher, bilden sich vor allem in weniger durchbluteter Umgebung scharfe, kantige Kristalle. Weiße Blutkörperchen versuchen die Kristalle aufzufressen. um den Körper so von “Müll” zu entlasten. Doch die Kristalle  beschädigen die Zellen und setzen deren aggressiven Inhalt frei. Es folgt der akute, äußerst schmerzhafte Gichtanfall mit heftigen Entzündungen.